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Detailhandel im Wandel

Konsumenten wollen mehr über gekaufte Produkte wissen, Grossverteiler effizienter arbeiten. Standards bei der Kennzeichnung, die alle Teilnehmer in der Wertschöpfungskette nutzen können, bleiben ein Thema. 2D-Symbologien wären ein Lösungsansatz.


Der klassische Detailhandel ist ohne Verkaufspackungen mit EAN-13-Barcodes kaum mehr denkbar. Seit ihrer Einführung vor 45 Jahren leisten die eindimensionalen Strichcodes wertvolle Dienste, weil sie einfach und günstig aufzubringen sind. Scanner an der Kasse interpretieren den codierten Inhalt der Global Trade Item Number (GTIN) zuverlässig und fehlerfrei aufgrund des Musters aus schwarzen Balken und weissen Lücken.

Doch neue Bedürfnisse aus der Mitte der Gesellschaft verlangen nach zusätzlichen Produktinformationen. Aus welchen Zutaten setzt sich das Konsumgut zusammen? Enthält es Allergene? Wo und unter welchen Bedingungen wurde es produziert? Entspricht es meinem Ernährungsplan oder Lifestyle? Fragen einer Generation mit digitalisierten Einkaufsgewohnheiten.

Aber auch im B2B-Bereich erwarten die Handelspartner neue Tools, um betriebsrelevante Prozesse rasch abwickeln zu können. Zwar verfügen die Unternehmen über ihre Prozeduren für Markenschutz- oder Qualitätsprüfungen, Inventuren oder gezielte Rückrufe. Allerdings ist nicht von der Hand zu weisen, dass neue kompakte und robuste Datenträger Effizienzgewinne für solche Geschäftsfälle schaffen.

Umfrage von GS1 US
Die Länderorganisation GS1 US hat 2018 eine Umfrage bei ihren Mitgliedern durchgeführt. Daraus ging hervor, dass der Detailhandel für die Herausforderungen der Zukunft zu wenig gerüstet ist. Zum Wunsch nach einem bevorstehenden «Upgrading» der klassischen Barcode-Symbologie wurden Detailhändler und Markenhersteller befragt.

Nicht wenige wollen den Detailhandel neu erfinden. Sie sind bereit, offensiv voranzugehen und aus einer Bandbreite bereits verfügbarer reichhaltiger Datenträger die modernsten anzuwenden. Andere sind der Meinung, dass bestehende Datenträger nicht konsequent genug eingesetzt würden, womit ihre volle Wirksamkeit nicht zum Tragen komme. Mit dem Status quo wollte sich jedenfalls kaum eines der befragten Unternehmen zufriedengeben.

Technologien und Koordination
Die Technologien für den Übergang zur Bedruckung, Codierung sowie Entschlüsselung individualisierter Produktverpackungen sind nun reif für den Einsatz. Zu nennen ist hier der Hochgeschwindigkeitsdruck für die Bedruckung auf Konsumverpackungen (800 bis 1200 Einheiten pro Minute) oder die Installierung optischer Scanner an den Kassen sowie eine angepasste Software am Verkaufspunkt, welche zusätzliche Daten interpretieren kann. Nun braucht es noch den Willen zur Koordination, damit international gültige Standards zu Datenträgern benutzt werden, um auch in Zukunft die Interoperabilität zwischen Handelspartnern weltweit zu gewährleisten.

Die etwas beunruhigende Umfrage der US-Länderorganisation veranlasste die Generalversammlung von GS1 Global, aktiv zu werden. Man will auf globaler Ebene Ansätze für eine effiziente Future-On-Pack-Codierung diskutieren. Vier international besetzte Teams wurden gebildet, die sich mit den zahlreichen damit verbundenen Detailfragen befassen und sich regelmässig treffen.

Vieles ist möglich
Michel Ottiker, Senior Standards Experte, vertritt GS1 Switzerland im international zusammengesetzten Limited Duration Team (LDT), welches inhaltlich das Future-On-Pack-Coding- Projekt vorantreibt. Für verbindliche Vorgaben zu einem Super-Datenträger sei es noch zu früh. «Wir sind ergebnisoffen », sagt er. «Es geht zuerst darum, Probleme, die wir mit der heutigen Kennzeichnungspraxis antreffen, anzusprechen und neue Anliegen aufzunehmen. Wir sind überzeugt, dass gut strukturierte Daten nach der Logik des GS1 Systems auch in einer digitalisierten Handelswelt von morgen gute Dienste leisten», so Ottiker.

Manuel Fischer

Einsatz von 2D-Symbologien
Innerhalb des LDT stellten Vertreter aus einzelnen GS1 Länderorganisationen unter anderem auch erfolgreiche Pilotprojekte zur Einführung von 2DSymbologien vor.

Belgien:
Mengenvariable Frischprodukte. In der Pilotanwendung des Grossverteilers Colruyt in Belgien wird die GTIN als eindeutige Produktkennzeichnung in einem DataMatrix verschlüsselt, ebenso die variablen Angaben wie das Nettogewicht, der Preis, das Mindesthaltbarkeitsdatum sowie die Batchnummer. Die Einzelhandelskasse liest die Daten zuverlässig aus. Für den Supermarkt wird die Komplexität der zu pflegenden GS1 Identifikationsschlüssel reduziert. Die Colruyt Group hat bereits 1300 Produkte auf GS1 DataMatrix umgestellt.

Brasilien:
Rückverfolgbarkeit von Schuhen. Das Damenmode-Label Via Marte hatte die Absicht, das Qualitätsmanagement der Marke zu verstärken. Auf Anregung von GS1 Brazil wurden die von ausgewählten Lieferanten produzierten Schuhe serialisiert. Diese Massnahme ermöglicht eine sorgfältige Qualitätskontrolle der Einheiten, Inventur in Echtzeit und die Echtheitsbescheinigung versandbereiter Produkte. Der verwendete GS1 DataMatrix enthält die GTIN und eine Seriennummer, also eine sogenannte SGTIN.
GS1 Brazil begleitet zudem ein Pilotprojekt der brasilianischen Marine für die Kennzeichnung von Uniformen. Mit der Einführung einer neuen Lagerverwaltungs-Software sollen proprietäre Kennzeichnungen durch das GS1 System ersetzt werden. Der GS1 DataMatrix enthält eine serialisierte Artikelnummer (SGTIN), die Militärcodierung (NSN), eine Losnummer, das Produktionsdatum und den Namen des Herstellers.

Deutschland:
Rückverfolgbarkeit von Fleisch/Fisch. Der deutsche Handelskonzern Metro führt das optische Bilderkennungs- Scanning an seinen Verkaufspunkten ein, womit 2D-Symbologien an der Kasse gelesen werden können. Gleichzeitig ermöglicht die Umstellung vielen Konsumenten den Zugriff auf Informationen zur Herkunft und Echtheit der Frischprodukte wie Fleisch und Fisch mit geeigneten Smartphone-Apps.

Die Konzernleitung entschied, den GS1 DataMatrix einzusetzen, welcher die GTIN, die Losnummer, das variable Gewicht und das Mindesthaltbarkeitsdatum beinhaltet. Dank der Losnummer sind gezielte Rückrufe möglich. Bereits sind über 1000 Produkte von gut hundert Lieferanten in dieser Form gekennzeichnet worden. Fast alle Frischfleischartikel, die über die Metro-Kanäle in den Verkauf kommen, sind inzwischen mit dem neuen Datenträger gekennzeichnet.

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