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Einzigartige Konkordanz und Zusammenarbeit

Der Förderverein H2 Mobilität Schweiz ist eine lernende Organisation, die keine Vorbilder und keine Best Practice kennt, sondern sie bestenfalls selbst schafft. Präsident Jörg Ackermann verrät, wie das die Zukunft gestaltet.

GS1 network: Wo stehen Sie heute, wo soll H2 Mobilität in der Schweiz in fünf Jahren stehen?
Jörg Ackermann: Noch dieses Jahr werden 50 Lkws auf Schweizer Strassen unterwegs sein, die an sieben Standorten grünen Wasserstoff tanken können. In fünf Jahren sind es mehrere hundert Lkws und es gibt ein flächendeckendes Tankstellennetz.

Was unternehmen Sie, um Ihre Ziele umzusetzen?
Unternehmen ist genau das richtige Wort. Unser Credo lautet: «Es geschieht, weil wir es tun.» Dabei setzen wir auf eine einzigartige kulturelle Errungenschaft der Schweiz: die Fähigkeiten zur Konkordanz und Zusammenarbeit. Am Markt sind unsere Mitglieder Wettbewerber. Alle Involvierten erkennen aber die Sinnhaftigkeit und sehen den Handlungsbedarf. Wir sind der Überzeugung, dass sich die saubere Wasserstoffmobilität nur gemeinsam und privatwirtschaftlich aufbauen lässt. Dazu braucht es die Zusammenarbeit über die Grenzen der Branchen und der einzelnen Unternehmen hinweg.

Welches sind erfolgskritische Parameter?
Risiken sind auch immer Chancen. Der Förderverein ist eine lernende Organisation in einem Pionierprojekt, das keine Best Practice kennt. Das heisst, dass wir uns permanent neuen Herausforderungen stellen und dass wir die Kraft und die Energie immer nach vorne richten müssen. Dabei interessieren uns in erster Linie Lösungen, die zum Erfolg führen.   

Welche Rolle spielen Netzwerkeffekte für diese Pläne?
Diese sind ganz entscheidend. Wie bei vielen neuen Technologien und Startups ist der Beginn schwierig. Ohne Wasserstofffahrzeuge keine Tankstellen. Ohne Wasserstofftankstellen keine H2-Autos. Dieses Henne-Ei-Dilemma gilt es aufzulösen. Mit den Mitgliedern des Fördervereins sind wir in der Lage, diese Kausalkette aufzubrechen.

Wie steht um die Wirtschaftlichkeit im Vergleich zum Dieselantrieb?
Auf Stufe Total Cost of Ownership ist der Hyundai XCIENT Fuel Cell im Anhängerbetrieb bei 36 Tonnen Gesamtgewicht und hoher Kilometerleistung vergleichbar mit einem entsprechenden Diesellaster – fairerweise deshalb, weil schwere Nutzfahrzeuge mit Elektromotoren derzeit von der LSVA befreit sind. Das belohnt die Tatsache, dass sie auf der Strasse kein CO2 ausstossen.

Wie ist das Echo aus der Transportund Logistikbranche?
Die ersten Feedbacks sind positiv. Zehn Fahrzeuge sind seit rund einem Monat auf der Strasse und haben ohne nennenswerte Probleme ungefähr 20 000 Kilometer zurückgelegt. Aus strategischer Sicht machen sich die Fuhrparkbetreiber Gedanken über die Zusammensetzung ihres Fahrzeugparks. Die Energiewende führt unweigerlich zu höheren CO2-Abgaben. Mit dieser Entwicklung steigt auch die Nachfrage nach emissionsfreien Transportdienstleistungen. Wer solche anbieten kann, schafft sich einen Wettbewerbsvorteil.

Wie gut ist die Unterstützung seitens der Behörden?
Wir erkennen viel Goodwill seitens der Behörden, da unsere Initiative die Emissionsziele des Bundes stark unterstützt. Dass wir privatwirtschaftlich unterwegs sind, könnte auch ein Faktor sein, den die Behörden schätzen. Entscheidend werden die künftigen Rahmenbedingungen für den Gütertransport mit nachhaltig erzeugtem Wasserstoff sein.

Welche konkreten Schritte sind 2021 vorgesehen?
Die konzeptionellen Tätigkeiten sind so weit abgeschlossen. 2021 stehen vier konkrete Aktivitäten im Vordergrund: Erfahrungen sammeln und optimieren, weitere Wasserstofflastwagen auf die Strasse bringen, das Netz der Wasserstofftankstellen ausbauen und die Versorgung mit grünem Wasserstoff via Hydrospider sicherstellen.

Die Fragen stellte Alexander Saheb.

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