Menu
gs1-neton-header-04.jpg

Von Telefonzellen, Kinetik, Drohnen und Meilenlogistik

Autonome Drohnen für den Transport von Blutproben, gekühlte Lebensmittel dank kinetischer Energie, Telefonzellen als Multiservice-Stationen und die volle Kontrolle des Kunden über die Lieferung von Paketen auf der letzten Meile: Diese vier Projekte buhlen am 29. November 2017 um den Swiss Logistics A-ward. Der Preis wird zum 22. Mal von GS1 Schweiz verliehen.

Der Swiss Logistics Award geht an ein Unternehmen für besondere Markt- und kundenorien-tierte Prozesslösungen, die mit ihrer Realisierung nachweislich einen überdurchschnittlichen Markterfolg eingeleitet haben. Für die Vergabe nominierten die Jury folgende vier Projekte:

DPD (Schweiz) AG
Empfänger steuern aktiv die Zustellung ihrer Pakete mit «Follow My Parcel»
Mit dem Online-Service «Follow My Parcel» können die Empfänger des privaten Paketdienstleisters DPD Schweiz seit zwei Jahren die Zustellung ihrer Pakete auf der letzten Meile aktiv steuern. Auf dem Portal sieht der Empfänger, wo sich sein Paket gemäss Google Maps befindet, und wie viele Zustellungen der Fahrer noch durchführen muss, bis das Paket seinen Bestimmungsort erreicht. Bis 15 Minuten vor der Zustellung, kann der Empfänger das Paket über eine Weboberfläche umleiten. Die Handscanner der Fahrer wurden hierfür mit GPS ausgerüstet und unterstützen diese bei ihrer Tourenplanung mit automatischen Optimierungsvorschlägen.  . Leitet ein Empfänger die Sendung um, werden die neuen Informationen auf den Scanner übermittelt und ein Vorschlag für die geänderte Zustelltour wird neu berechnet, der Fahrer entscheidet dann aufgrund dieser Information, wie er seine Tour ändert. Seit einem Jahr ist es zudem in Bern, Zürich und Basel möglich, sich Sendungen auch abends zustellen zu lassen - an jedem Wochentag – ausser Sonntag.

DPD Schweiz sieht im Portal «Follow My Parcel» viele Vorteile für Empfänger, Versender und sogar für die Umwelt: Der Empfänger hat Transparenz und Kontrolle über die Zustellung; er bestimmt wann und wo das Paket zugestellt wird, die Zustellung kann er mit Live-Tracking genau verfolgen.  Der Versender bietet mit «Follow My Parcel» seinen Kunden einen komfortablen Weg, Pakete zu erhalten; das Online-Shopping wird so bis zur Paketzustellung zu einem angenehmen Einkaufserlebnis. Mit "Follow My Parcel" werden erfolglose Zustellversuche vermieden; eine höhere Quote bei den Erstzustellungen führt auch zu einer Reduktion des CO2-Ausstosses. Das Portal «Follow My Parcel wurde bereits erfolgreich in mehreren Ländern von DPDgroup eingeführt.

Die Schweizerische Post
Drohnen im Einsatz für die Gesundheit
Mit autonomen Transportdrohnen möchte die Schweizerische Post die Logistik im Gesundheitswesen effizienter gestalten und so die Behandlungsqualität von Patienten verbessern.
Zurzeit testet die Post eine Verbindung für den Transport von Laborproben zwischen dem Ospedale Italiano und dem 1,1 Kilometer entfernten Ospedale Civico in Lugano. Heute werden die Proben noch per Kurier transportiert, was einen höheren Zeit- und Finanzaufwand bedeutet.
Der regelmässige Drohneneinsatz zwischen den beiden Spitälern soll 2018 zum Alltag werden. Für den autonomen Betrieb wird in beiden Spitälern je eine Logistikstation installiert, welche von der Drohne angeflogen wird. Ein Mitarbeitender des Spitals Civico wird die Probe in eine zertifizierte Sicherheitsbox verpacken, diese in die Logistikstation legen und per Smartphone den Transportprozess auslösen. Die Drohne wird über angebundene Meteo-Systeme prüfen, ob ein sicherer Flug möglich ist. Sind die Wetterbedingungen ungünstig, wird das System selbstständig ein alternatives Transportmittel anvisieren – in Lugano beispielsweise ein Taxi. Steht einem Flug nichts im Weg, wird der Quadrokopter die Sicherheitsbox laden und autonom entlang der festgelegten Route zum Ziel fliegen. Die Navigation der Drohne wird via GPS erfolgen, die Kommunikation mit dem Hauptsteuerungscomputer über das Mobilfunknetz oder – falls erforderlich – über eine redundante Satellitenverbindung.
Kurz vor der Ankunft wird der Empfänger über einen definierten Kanal, beispielsweise eine SMS, informiert. Die Drohne wird landen, die Sicherheitsbox in der Logistikstation deponieren und gegebenenfalls zurückfliegen. Gemäss Angaben der Schweizerischen Post können mit der Drohne die Transportzeit um 70 Prozent und die Prozesskosten um 80 Prozent verringert werden. Ausserdem kann der Transport durchgehend überwacht sowie die Umwelt geschont werden.

railCare AG
Kühlung beim Bahntransport mit kinetischer Energie dank «rCE-Powerpack»
Mit dem System «rCE-Powerpack» kühlt oder temperiert die railCare AG Lebensmittel und andere Güter beim Bahntransport mit kinetischer Energie anstatt mit Treibstoff. Die Energie entsteht direkt beim Fahren des Zuges durch einen Achs-Generator. Das «rCE-Powerpack» wandelt die Bewegungsenergie in elektrische Energie um und speichert sie in Akkus. Über Lastdosen werden die Kühlaggregate mit Energie versorgt. Das weltweit einzigartige System besteht aus einem Adapterrahmen, in dem das komplette Energieversorgungssystem (Akkus, Inverter, Generator) eingebaut ist. So sind bei der Ausrüstung der Bahnwagen keine Anpassungen an der bestehenden Struktur oder Kabelverbindungen zwischen den Wagen notwendig. Gesteuert und überwacht wird das System via GPS.

Dank der Energiegewinnung über einen Achs-Generator kann der CO2-Ausstoss gemäss railCare um 75 % reduziert werden. Die Lärmemissionen lassen sich dank des Elektrobetriebs der Kühlaggregate um 30-35 % reduzieren. In Betrieb ist das «rCE-Powerpack» bereits auf 25 Tragwagen des «City Cargo Genève». Bis Ende 2018 sollen alle 84 Bahnwagen der railCare AG mit dem System ausgerüstet und auf dem gesamten Schweizer Schienennetz unterwegs sein.

Swissprime Technologies AG
Telefonzellen als variable Multiservice-Stationen umnutzen
Ehemalige Telefonzellen als variable Multiservice-Stationen umnutzen: Das will die Swissprime Technologies AG mit ihrem Projekt «Omphalos». Privatpersonen, lokales Gewerbe oder Immobilienverwaltungen können beispielsweise die gekühlten oder ungekühlten Schliessfächer in den umgebauten Telefonzellen als Pickup-Stationen für bestellte Waren nutzen, um Dokumente auszutauschen oder Produkte zu hinterlegen. Gemeinden oder Tourismusbüros können aufs interaktiven Screens für ihre Zwecke werben. In weiteren Modulen können je nach lokalen Bedürfnissen etwa Defibrillatoren, Fotodrucker oder kleinere Boxen etwa für Schlüssel von Ferienwohnungen installiert werden.

Die Zugriffsberechtigungen auf die Schliessfächer werden mit der Zugangs- und Berechtigungs-Management-Lösung www.kleverkey.com verwaltet. Nutzer können Schliessfächer über die App direkt online anmieten und bezahlen sowie Berechtigungen für das Öffnen an Drittpersonen weitergeben. Die Identifikation der Nutzer geschieht über ein Smartphone auf einem eBanking-Level. Geöffnet werden können die Fächer kostenlos über Bluetooth mit der Kleverkey-App. Das System kann direkt über das Cloud-Portal oder automatisch über eine Schnittstelle zu einem ERP-System gesteuert werden. Im Oktober 2017 geht der erste Omphalos in der Stadt Bülach in Betrieb. Gemäss der Swissprime Technologies AG trägt das Projekt dazu bei, die Logistik von Zulieferern zu entschlacken und das lokale Gewerbe zu unterstützen. Ausserdem ist ein kostenintensiver Rückbau der Telefonkabinen so nicht notwendig.

Nach oben