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Klimaneutrale Produkte gibt es nicht ab Stange

Klimaneutrale Produkte gibt es nicht ab StangeImmer mehr KMU werden von ihren Grosskunden aufgefordert, klimaneutrale Produkte oder Dienstleistungen bereitzustellen. Dies erfordert Know-how im Bereich Nachhaltigkeitsmanagement und -reporting. Im Branchenzusammenschluss und in Begleitung eines Spezialisten können Klimaziele effizienter erreicht werden als im Alleingang.

Klimaneutrale Produkte und Dienstleistungen lösen Begeisterung, aber auch Skepsis aus. Kunden fragen nach, wollen verstehen und nachvollziehen. Aufgrund des Mangels an Normen steht es jedem Anbieter frei, Berechnungsmethoden und Systemgrenzen zu wählen, wonach die Kompensationsmenge für ein klimaneutrales Produkt erst zustande kommt.

Nachhaltig und effektiv
Grund genug, genau hinzuschauen, will man wirksamen Klimaschutz betreiben. Das Offenlegen aller Prozesse und deren Prüfung durch unabhängige Experten sind wichtig. Die Stiftung myclimate führt diese Problematik anhand einer internen Schulungsdokumentation zu klimaneutralen Produkten vor:
_Welche vorgelagerten Prozesse, wie Transporte, Rohstoffabbau und zugekaufter Strom, fliessen in die CO2-Bilanz?
_Werden die Transportrechnung ab Werkstor zum Grosshändler oder die externe Ausrüstung in die Kalkulation miteinbezogen?
_Mit welcher Qualität an Klimaschutzzertifikaten wird überhaupt kompensiert?

In der Folge führt dies zu den unterschiedlichen Emissionsmengen und den damit verbundenen Reduktionskosten von klimaneutralen Produkten. myclimate motivieren ihre Kunden, eine ganzheitliche Klimaschutzstrategie zu verfolgen. Vermeiden, Reduzieren und Kompensieren sind gleich wichtige Komponenten einer wirkungsvollen Klimaschutzstrategie. Häufig verfügen Unternehmen über wenig gesichertes Wissen zum gesamten Energieverbrauch und dem Umfang der Stoffströme klimarelevanter Treibhausgase.

Der Weg zum Klimamanagement
«Es braucht eine Strategie von oberster Ebene, um mit dieser besonderen Form der qualitativen und quantitativen Informationsgewinnung anzufangen », sagt Jeroen Loosli, Bereichsleiter Performance, Quality and IT bei der Stiftung myclimate. «Oft haben die Unternehmen schon Informationen bezüglich der Emissionsberechnung gesammelt, es fehlen ihnen aber die Systematik, die Technologie und das Wissen, um effizient und zentralisiert Transparenz schaffen zu können. Ineffiziente Datensammlungen und Datenkonsolidierungen via Excel führen auch oft dazu, dass viel Zeit in einen Prozess investiert wird, der schliesslich in einer fehlerhaften Informationsbasis für interne Entscheidungsprozesse endet.»
Die Stiftung myclimate bietet ihren Kunden neben internen und externen Kompetenzen mit «myclimate Performance» eine Software an, die nicht nur in der Lage ist, erhobene Zahlen zu ordnen, bei Eingabe in Echtzeit zu kalkulieren und grafisch zu visualisieren, sondern auch den Datensammelprozess effizient und übersichtlich zu gestalten. «Es ist wichtig, dass jeder im Unternehmen sich mit den Daten und Prozessen auseinandersetzt, für die er verantwortlich ist», betont Jeroen Loosli.

Die richtige Technologie macht dies möglich, indem die Organisationsstruktur abbildbar ist sowie Verantwortlichkeiten, Aufgaben und Prozesse zugewiesen werden können. Erhobene Zahlen können mit Qualitätsregeln, Kommentaren und Dokumenten  ergänzt werden, die es erleichtern, die Datenqualität zu verbessern, die Daten zu interpretieren und den Erfolg von Massnahmen auszuwerten. Das in der Software eingebundene Erfahrungswissen aus 27 Jahren Nachhaltigkeitsmanagement ist das eine, der Wille zur Kooperation in der Supply Chain das andere.

Klimaneutrale Branchenlösungen
Kein Etikett «klimaneutral» ohne den unvermeidlichen dritten Schritt: Emissionen, deren Vermeidung nur noch mit grossem Aufwand möglich wäre,  können durch den Finanzierungsmechanismus der Kompensation «neutralisiert » werden. Die Stiftung myclimate wie auch andere spezialisierte Dienstleister bieten Kompensationsprojekte auf dem ganzen Globus an. Denn eine Kosten-Nutzen-Analyse macht es offensichtlich: Mit demselben investierten Frankenbetrag lassen sich in Ländern des Südens mehr CO2-Einheiten kompensieren als hierzulande. Gleichwohl sind Firmen und Branchen daran interessiert, Emissionsreduktionen auch in der Schweiz zu realisieren – was auch unter Gold-Standard-Bedingungen möglich ist.
Mittlerweile hat myclimate verschiedene Branchenlösungen entwickelt. Als Beispiel sei Papyrus (ehemals Sihl + Eika) erwähnt, ein Papierhändler mit grosser eigener Logistikabteilung. Seit 2009 im Transportbranchenprogramm, erzielt Papyrus jährlich substanzielle Emissions- und Kosteneinsparungen. Die Camion-Transporte AG, die sich auf die Fahne schreibt, mit «möglichst kleiner ökologischer Belastung eine hohe ökonomische Leistung zu erbringen », testet die neuste Version der Nachhaltigkeits-Management-Software. Auch Migrol engagiert sich auf diesem Weg für den Klimaschutz.

Manuel Fischer

 

Wie funktioniert die Klimakompensation?
Für die Atmosphäre unseres Planeten ist es nicht von Belang, an welchem Ort der Erde Kohlenstoffdioxid (CO2) oder andere Treibhausgase emittiert werden. Der Grundgedanke der Kompensation ist es, eine bestimmte Menge an Treibhausgasemissionen, die an einem Ort der Welt nicht vermieden werden können, an einem andern Ort auf dem Globus zu verhindern. Dabei ist ein klarer Unterschied zu machen zwischen dem verpflichtenden Markt im Rahmen der Vorgaben des Kyoto-Protokolls (EU ETS, Emissionsrechte) und dem freiwilligen Markt (Emissionszertifikate). Auf dem zweiten Markt sind verschiedene Organisationen wie atmosfair, Klimainvest oder eben myclimate tätig und unterstützen Interessenten, die aus Eigeninitiative Kompensationsleistungen zusätzlich zum Kyoto-Protokoll erbringen wollen.
Ein Zertifikatehersteller wie myclimate kommt ohne Kommissionen aus und übernimmt das Projektrisiko zusammen mit dem Projekteigner. Der Transfer der Kompensationszahlungen wird mit den Zertifikaten gesteuert. Zunächst erhält Ein Projekteigner (Biogasanlagen, Stromerzeugung durch Holzabfälle usw.) eine Abnahmegarantie für die Emissionseinsparungen. Die Stiftung myclimate verkauft die Zertifikate an eigene Kunden und Partner, wobei sie so den Projekteigner finanzieren kann. Zahlungen sind aber erst möglich, nachdem die Emissionsreduktionsleistung bewiesen wurde. Im Schnitt dauert der Aufbau eines Projekts zwei bis drei Jahre. Erst dann wird der versprochene Betrag aus dem Klimaschutzfonds entnommen und dem Projekteigner überwiesen.

 

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